Notion ist wirklich gut in dem, wofür es gebaut ist: Team-Wikis, strukturierte Dokumente, Datenbanken mit Ansichten. Viele nutzen es aber als persönliche Notizen-App, und bei einer bestimmten Aufgabe arbeitet es gegen dich: einen schnellen Gedanken festhalten. App öffnen, warten, bis sie geladen ist, entscheiden, auf welche Seite oder in welche Datenbank die Notiz gehört, in einen Block klicken, tippen. Bis die Notiz existiert, belegt der Gedanke, der sie ausgelöst hat, schon fünfzehn oder zwanzig Sekunden deinen Kopf, und mitten in einer Aufgabe reicht das oft, um den Faden zu verlieren.
Wenn die meisten deiner „Notizen“ Zwei-Sekunden-Gedanken sind und keine Dokumente, brauchst du vielleicht kein besseres Notion, sondern ein leichteres Tool daneben oder stattdessen. Hier sind die ernstzunehmenden Alternativen, geordnet danach, worauf sie optimiert sind.
Was „leicht“ eigentlich heißen sollte
Schnelles Erfassen ist eine bestimmte Reihe von Eigenschaften, und es lohnt sich, sie vor dem Vergleich zu benennen:
Mit einer Aktion erreichbar, egal wo du gerade bist: ein Tastenkürzel, ein Symbol in der Menüleiste, eine Adressleiste, ein Shell-Befehl.
Keine Entscheidung über den Ablageort beim Erfassen. Ein Eingangskorb; einsortiert wird später oder nie.
Sofort da. Kein Ladezustand zwischen Absicht und Tippen.
Später auffindbar, ohne einsortiert zu sein: Notizen, die ohne Umstände erfasst werden, sind nicht ordentlich sortiert, also muss das Wiederfinden trotzdem funktionieren.
Notion scheitert vor allem an den ersten drei: Es ist ein Ort, zu dem du gehst, und seine Struktur verlangt Entscheidungen im Voraus. Die Alternativen unten lösen das jeweils anders.
Simplenote: reiner Text, sonst nichts
Simplenote ist kostenlos, schnell und synchronisiert Notizen als reinen Text über alle Plattformen. Es öffnet sich sofort, Erfassen heißt einfach tippen, und Tags sind die einzige Struktur. Als reiner Notizzettel ist es kaum zu kritisieren. Die Grenze kommt, wenn Notizen mehr als Text sein sollen: Bilder, Code-Formatierung, Links zwischen Notizen, irgendeine Art von Ansicht. Und die Suche arbeitet mit Stichwörtern, das Wiederfinden hängt also davon ab, dass du dich an deine eigene Formulierung erinnerst.
Am besten für: Leute, deren Notizen wirklich nur Text sind und die das denkbar einfachste Tool wollen.
Apple Notes und Google Keep: die eingebauten Apps
Beide sind auf ihren eigenen Plattformen eine Geste entfernt, synchronisieren zuverlässig innerhalb ihres Ökosystems und kosten nichts. Das Kartenmodell von Keep taugt für Schnipsel; Apple Notes ist auf Apple-Hardware ohne großes Aufsehen zu einer leistungsfähigen App geworden. Die Grenze ist das Ökosystem selbst: Auf Rechnern ohne Apple-Logo ist Apple Notes praktisch nicht verfügbar, und keine der beiden bietet einen richtigen Umgang mit Code, Zugriff aus dem Terminal oder einen sauberen Komplettexport.
Am besten für: Notizen, die persönlich und kurzlebig bleiben und die Hardware eines einzigen Herstellers nie verlassen.
Obsidian: Markdown-Dateien auf deiner Festplatte
Obsidian ist schwerer als die anderen hier, es ist ein vollständiges Wissensmanagement-Tool. Seinen Platz in der Liste hat es trotzdem, weil sein Speichermodell das leichteste überhaupt ist: einfache Markdown-Dateien in einem lokalen Ordner. Erfassen in eine Tagesnotiz geht schnell, sobald es eingerichtet ist, Links zwischen Notizen sind vollwertig, und Lock-in gibt es konstruktionsbedingt nicht. Die Kosten: Sync ist ein Zusatz, Erfassen von außerhalb der App (Browser, Terminal) braucht Plugins oder Skripte, und die Konfiguration ist ein Hobby für sich.
Am besten für: Leute, denen ihre Dateien vollständig selbst gehören sollen und die ihren Workflow gern selbst zusammenbauen.
Notez: zuerst das Erfassen, ein Tresor
Notez geht das Problem beim Erfassen am direktesten an: Es legt die Eingänge dorthin, wo du ohnehin schon bist, und alle münden in einen Tresor:
Die Adressleiste: Tipp
notez.dev/dein Gedankein einen beliebigen Browser, und die URL wird zur Notiz. Keine App, und für den ersten Versuch kein Konto.Das Terminal: eine 3 MB große CLI für macOS, Linux und Windows. Tipp
notez "der Fix war die Pool-Größe", oder leite eine Ausgabe direkt per Pipe hinein. Sie funktioniert über SSH, wohin dir GUI-Tools nicht folgen können.KI-Tools: Assistenten verbinden sich über MCP, sodass Claude oder Cursor Notizen im selben Tresor speichern und durchsuchen. „Erstelle eine Notiz mit meinen Blockern für heute“ funktioniert mitten in einer Coding-Session.
Die Web-App (dazu eine Mac-App, die sie in einem eigenen Fenster ausführt) für alles nach dem Erfassen: ein Block-Editor mit Code-Unterstützung, Tags, Boards,
[[-Links mit Backlinks und Teilen.
Die andere Hälfte, das Wiederfinden, übernimmt eine Suche auf Basis von Embeddings: Notizen werden nach Bedeutung gefunden, nicht danach, wo du sie abgelegt hast oder welche Wörter du benutzt hast. Dazu kommt ein Chat, der Fragen zu deinen Notizen über den ganzen Tresor hinweg beantwortet, mit Quellen. Erst diese Kombination macht Erfassen ohne Entscheidungen sicher: Nichts muss einsortiert werden, um auffindbar zu sein.
Der Free-Plan braucht keine Kreditkarte, und der ganze Workspace lässt sich jederzeit als .zip mit Markdown-Dateien exportieren. Der ehrliche Nachteil gegenüber Obsidian: Deine Notizen liegen in einem Dienst statt in einem lokalen Ordner, und der Markdown-Export ist der Ausgang.
Am besten für: Entwickler und alle, die an mehreren Stellen erfassen – im Browser, in der Shell, in KI-Sessions – und eine Suche wollen, die auch ganz ohne Einsortieren funktioniert.
Vielleicht musst du Notion gar nicht verlassen
Wenn die Dokumente deines Teams in Notion liegen und das funktioniert, ist eine Arbeitsteilung der pragmatische Weg: Notion bleibt die Bibliothek, ein Tool zum Erfassen kommt als Eingangskorb dazu. Schnelle Gedanken landen den ganzen Tag im leichten Tool; einmal pro Woche wandern die wenigen, die ein Dokument verdienen, nach Notion. Die beiden Tools konkurrieren nicht mehr, weil sie nie dieselbe Aufgabe hatten: Im einen wird Denken aufbewahrt, im anderen wird es eingefangen.
Die Wahl in einem Absatz
Wenn deine Notizen reiner Text und kurzlebig sind, reicht Simplenote oder die eingebaute App deiner Plattform. Wenn dir eigene lokale Dateien am wichtigsten sind, Obsidian. Wenn deine Gedanken genauso oft im Terminal und in KI-Sessions entstehen wie im Browser und du Erfassen ohne Entscheidungen willst, dazu eine Suche, die trotzdem alles findet, Notez. Und egal, was du wählst, mach denselben Test: Halte an einem normalen Arbeitstag zehn echte Gedanken fest und versuch eine Woche später, drei davon wiederzufinden. Das Tool, das diesen Test besteht, ist das richtige, ganz gleich, was ein Vergleichsartikel sagt.
Weiterlesen
Die besten Notizen-Apps für Entwickler 2026 – sechs Kriterien für die Notizen-App eines Entwicklers, vom Aufwand beim Erfassen bis zum Export, und welche Art von Tool bei welchem Kriterium vorn liegt.
Von Notion oder Evernote zu Notez umziehen – was ein Notion-Export auf dem Weg in Notez behält: verschachtelte Seiten, Anhänge und die Links zwischen Seiten.
Ideen festhalten, ohne den Faden zu verlieren – sieben Wege, einen Gedanken mitten in der Arbeit zu speichern, von der Adressleiste bis zum Terminal.